Die Autorin dieser 'Rezension' erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Auch die Mädels, welche hier nicht ausdrücklich genannt werden, sind anwesend gewesen, doch gestattet sich die Autorin eine nicht ganz objektive Sichtweise des Stammtisches.
Wer Rechtschreibfehler findet, darf diese selbstverständlich behalten.
Ach ja, es geht um den Stammtisch im Cafe Schrill der Transgender-Selbsthilfegruppe-Wolfsburg, welcher am 5.2.2005
ab 19:00 Uhr stattgefunden hat.

Da ich doch eine recht lange Zeit mit dem kleinen Auto unterwegs bin, habe ich mir überlegt, bereits am Freitag in Wolfsburg anzukommen. Ziemlich überaschend für Taita und Chantal, so dass ich recht kurzfristig ein Hotelzimmer buchen musste.
Taita verwies mich dabei auf Hotel & Gaststätte Goldener Stern in Fallersleben. Ein neidliches, kleines unorthodoxes Hotel. Gesagt, getan... ein Einzelzimmer war noch frei, worauf ich dann am Feitag nach gut 11 Stunden Arbeit meine Sachen recht gehetzt zusammenpackte und nach Wolfsburg zuckelte.

Während der Fahrt fiel mir dan auf, das ich natürlich die Adresse und Telefonnummer des Hotels vergessen hatte, und rief daraufhin Chantal an. Netterweise erklärte Chantal mir, das es kein Problem sei, und ich mich am Kreuz Wolfsburg (... nunja, ich befand mich gerade hinter Hamburg auf der A7) nochmals kurz melden sollte. Sie würde mich dann von dort in das Hotel leiten.

Und genauso hat es Chantal dann auch gemacht. Wir trafen uns, fuhren natürlich an der Arbeitsstelle von Taita vorbei und landeten dann in den Gasthaus. Von aussen ein recht unscheinbarer Bau, halt ein typisches Landgasthaus. Sofort regte sich bei mir der Gedanke, dass es ja auch Ressantiments gegenüber T's gibt und ich hatte die Befürchtung, dass diese auch hier auftreten würden.

Weitgefehlt, doch dazu mehr später. Ich hüpfte kurz unter die Dusche, fuhren dann zu Taita und Chantal und holten des Nächtens Taita von der Arbeit ab. Daraufhin entwickelte sich ein recht langes Gespräch, wodurch ich dann erst gegen 5h morgens im Hotel war.

Hatte ich bereits erwähnt, das ich Taita und Chantal bereits seit Mitte 2000 kenne und schätzen gelernt habe? Nicht? Oh, dann habe ich es eben nachgeholt.

Ich bin keine Szenegängerin und halte mich weitesgehend aus den ganzen T'* Veranstaltungen heraus. Doch war ich bei einem Treffen des damaligen IRC-Channel Trannie-angehörige.de und wir pflegten einen recht unregelmässigen Kontakt. Wie es denn so ist. ;-)

Ich selber engagiere mich in unseren lokalen Lesbengruppen. Aus diversen Gründen habe ich mich dazu entschlossen, mich nicht zu outen und keine GA anzustreben. Daher bin ich aus verständlichen Gründen äusserst vorsichtig. ;-)

Nachdem ich dann auf dem Hotelzimmer war, habe ich angefangen mir zu überlegen, was ich denn
aus meinem umfangreichen Fundus anziehen möchte und bin dann nach dem zweiten Glas Wein eingeschlafen.

Im Übrigen empfehle ich jeder, sich einen Korkenzieher für Weinflaschen in die Handtasche zu legen. Mein improvisierter Korkenzieher aus meiner Nagelschere und einem Kajalstift war nicht wirklich praktisch.

Gegen 17h war dann der Tag... nunja, also meine Nacht zuende und ich blickte noch leicht verschlafen auf ein Mobiltelefon, welches sich auf magische Weise auf dem Beistelltisch bewegte. Dabei ratterte Plastik auf Holz und dieses sehr unmelodische Geräusch schreckte mich aus meinem Schlaf auf.
Nach einigen Minuten realisierte ich, dass das Mobiltelefon bereits eine Zeit von 16.30h anzeigte, und wiederum seltsame Bewegungen auf der Platte vollführte. Nachdem ich dann auf diesem hoch minieaturistem Gerät die Taste mit dem grünen Hörer gefunden hatte, hörte ich eine bekannte Stimme am Ende, die mir zurief, dass sie bereits mehrfach versucht hat, mich zu erreichen.
Chantal, in ihrer charmant direkten Art eben. ;-)

Dieses: "Naaaaa, ausgeschlafen???", war ja noch in Ordnung, aber nachdem ich mich hochkonzentriert auf meine Frage: "Ah...wann geht der Stammtisch eigentlich los?", eingeschossen hatte,
sagte Chantal: "Wir holen dich so gegen 18.30 im Hotel ab." ... wodurch ich nun schlagartig wach wurde und eine Tasse Kaffee suchte....

Oups, also nur zwei Stunden!!!

Dann ging es los: Was anziehen? Kurz? Lang? Kleid? Stiefel? Pumps? Dusche, Makeup......

Was blieb, war einfach hinsetzen und erstmal die Gedanken sammeln. Gut, also die Prozeder wie immer: Dusche ...dann Anziehen, Makeup, alle Sachen zusammensuchen (herrje, schon 20 nach sechs)... schnell noch der Nagellack (ziemlich misslungen) und schon klopfte es an der Tür.

Dankenswerter Weise hatte mir Chantal zum Ausprobieren ein wirklich schönes, rotbraunes Haarteil
am Vorabend (naja, eher morgen) übergeben, wodurch ich mich im Spiegel sehr an meine Mutter erinnert fühlte. Das Gesicht und der Ausspruch von Taita war' Oh', worauf ich dann den Rest von mir selbst verloren habe und meine Gedanken eh (Himmel, jetzt bloss auf den Stiefeln nicht stolpern).
Vor lauter Aufregung habe ich es nicht gebacken bekommen, zielstrebig den Schlüssel in die Zimmertür zu manövrieren, sondern schaffte dies erst (hey, nein, ich hatte nichts getrunken!) im dritten Anlauf.

Die Treppe herunter (gottlob hat der Gasthof einen Hinterausgang) und.... Chantal wieder!!! Sie holt natürlich die Wirtin heraus und beide, Taita und Chantal, verhandeln um die Zimmer.
Ich stehe daneben und prompt neben mir.
Was passiert? Nichts! Die Wirtin, jovial. Kein dummer Spruch, keine missmutige Miene ...nichts.!

Ganz ehrlich, ich muss selten dämlich dreingeschaut haben. So wie eine Kuh wenns donnert.
Nach eingen Minuten traute ich mich sogar, etwas zu sagen. Hey, ich rede.... (Es gibt noch Zeichen und Wunder.... ;-))

Die Fahrt zum Cafe war recht kurz, mir war kalt (...wer läuft auch im Winter mit einem Mini und langen Stiefeln durch die Gegend?) Dann ins Cafe.

Ein wirklich nettes Cafe. Die Tische sind reserviert. Ich setze mich nach einiger Zeit dann endlich (nachdem Chantal mir das dritte Mal angedeutet hat, dass wir hier jetzt bleiben) und nach und nach trudeln alle anderen ein.
Also husche ich in die letzte Ecke, setze mich aufs Sofa. Rhonda rechts - ein klein wenig Smalltalk. Nachher stossen noch Christina, Doreen, Jenny (eine ganz liebe), Lena mir gegenüber
(hey, ich meinte das Lied 'Another brick in the wall'), Margerite (eine wirklich äusserst symphatische) und Sabrina in diesen 'Dunstkreis' mit hinein.

Zwischendurch sind Taita und Chantal immer!!!! darum bemüht, uns zum Reden zu bewegen.
Und dies in deren natürlicher Art. Ich habe keine 'aufgesetzten' Phrasen, keine negativen Schwingungen bemerken können. (Was nicht heissen muss, das ich unsensibel bin....) lach

Und natürlich Silke. Sozusagen unsere 'Haus- und Hof-Logopädin'. Rhonda redet ja schon viel,
aber wer bei Silke den Knopf für 'Laut-Leise-Aus' findet, verdient den hiermit ausgeschriebenen
'Kleine Pizza Hawaii' Preis. ;-)
Kinder, ich wusste nicht, das man soviel reden kann, aber das geht. kicher

Im Cafe herrscht ein erfreulich hohes Mass an Aktivität. Viele 'Normalos' und ein erstaunliches Mass an Toleranz. Das Ganze komplett ohne (und da lege ich als Bi gesteigerten Wert drauf) sexuelle Anmache und sogenannte dumme Sprüche.

Laut Taita sollen 19 Leute anwesend gewesen sein. Was durchaus stimmen mag. ;-)

Was aus meiner Sicht definitiv stimmt, ist die Chemie bei diesem Stammtisch und (das ist eines der absoluten Highlights dieses ehrenamtlichen Engagements von Chantal und Vera) wir als
T.*-Betroffene' können unsere Partnerinnen endlich mit uns zeigen und reden.

Als Resümee bleibt daher nur noch: Uneingeschränkt empfehlenswert, speziell für Partnerinnen.

 

Eure Janina

 

Anmerkung:

Ich selbst bin seit meinem 12. Lebensjahr TV. Ich bin nicht geoutet und habe auch nicht vor dies in naher Zukunft vorzunehmen. Beeindruckend ist, das Vera und Chantal trotz ihrer sehr schwierigen Situation sich für uns alle einsetzen und dieses zusätzlich nach aussen tragen.
Die Ehrlichkeit und beider Engagement ist mir meiner Meinung nach so noch nicht begegnet.
Leider kann ich nicht mehr für beide tun, als dass, das ich als Freundin und 'die die Fragen stellt'
etwas an euch zurück gebe.
Die Floskel 'Glück' ist nicht nur eine blosse Floskel, sondern ein Herzenwunsch meinerseits an euch. Gleichwohl, wie ihr euren Weg weiter geht.

Daher kann ich nur dem Zufall danken, das ich euch beiden das Wort mitsamt Inhalt 'Danke' ausprechen darf.

In besonderen Momenten sprechen wir 'Nordlichter' von Liebe. Auch wenn ihr das von mir nun wirklich nicht erwartet, aber ich bin euch in freundschaftlicher Liebe verbunden.

Janina

 


Kommentar:
Vielen Dank für diese ausserordentliche Stammtisch-Nachlese. *tränchenausdemAugewisch*

Wir waren amüsiert, gerührt, überrascht und beschämit.. es war ein Wechselbad der Gefühle diese Worte zu lesen, liebe Janina.. aber wir danken dir herzlich für deine Worte und wir wissen, dass du es ehrlich meinst!!!

Bussi Chantal und Vera

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